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Fachartikel

Dienstag, 01. Januar 2008

Die Sommer werden trockener und heißer

So lauten die Prognosen der Klimaforscher für die nächsten Jahrzehnte. Für die deutsche Landwirtschaft ändern sich die natürlichen Bedingungen. Damit bleibt das Thema Trockenheit und Hitze zusammen mit der Auswinterung ein wichtiger Aspekt, den Sie bei der Sortenwahl beachten müssen.

 


Der Grundstein für eine gute Trockentoleranz wird noch vor der Saat mit der Auswahl der richtigen Sorte gelegt. Was können Sie dabei beachten?

Die erste Eigenschaft, die eine trockenheitstolerante Sorte mitbringen muss, ist eine zügige Jugendentwicklung, wie sie beispielhaft die Winterweizensorte Buteo (B) mitbringt. Dies gewährleistet die rasche Bestandesetablierung im Herbst und damit auch eine gute Wurzelausbildung, mit der die Pflanzen in den Winter gehen. Dies ist vor allem für Spätsaaten wichtig, die nur wenig Zeit haben, ein ausreichendes Wurzelsystem vor der Frostphase auszubilden. Eine hohe Regenerationsfähigkeit kommt dem Bestand ebenfalls zugute, denn damit können Schäden durch Trockenphasen beim Auflaufen im Herbst kompensiert werden.

Vor dem Beginn des Schossens macht eine leichte Trockenheit keinen Schaden – im Gegenteil: Sie stimuliert das Wurzelwachstum und bereitet die Pflanzen damit besser auf spätere Phasen mit Trockenstress vor. Überschüssige Triebe werden ebenfalls reduziert, so dass die Pflanze nicht zu viele Kornanlagen bildet, die später in einer Trockenperiode zu spät reduziert werden oder Schmachtkorn bilden. An dieser Stelle können Sie auch mit der Düngung eingreifen: In Trockenlagen empfiehlt es sich, die Bestände nur verhalten anzudüngen, um nicht zu viele Nebentriebe anzuregen. Diese kosten später viel Wasser, können aber unter Trockenstress nicht zur Ertragsbildung beitragen.

Die größten Schäden macht Trockenheit während der Schossphase und in der Blüte. In diesen beiden Wachstumsphasen benötigt die Pflanze sehr viel Wasser. Gleichzeitig wird die Zahl der Körner/Ähre festgelegt. Einzelährentypen haben hier unter trockenen Bedingungen in der Regel Vorteile. Da die meisten Böden (2004 war in dieser Hinsicht ein Ausnahmejahr) aus dem Winter Wasservorräte bis Mitte April mitbringen, kommen Wintergerste und Winterroggen gerade in Süd- und Ostdeutschland mit der dort typischen Frühsommertrockenheit am besten zurecht. Trotz ihrer geringeren Durchwurzelung nutzt eine frühreife Wintergerste wie die Sorte Lomerit die Bodenfeuchte aus dem Winter besser als jede andere Kultur. Dies liegt daran, dass die Wintergerste die kritischen Phasen Schossen und Blüte in der Regel rechtzeitig vor dem größten Trockenstress abschließen kann. Auch der Roggen kann die wesentlichen Komponenten der Ertragsbildung rechtzeitig mit der Bodenfeuchte des Winters bestreiten. Auch hier gilt, dass Sortentypen mit geringer Bestandesdichte besser mit Trockenstress fertig werden als Sorten, die ihren Ertrag über die Zahl der Pflanzen/m² bilden. Demgegenüber fällt der Hauptwasserbedarf des Weizens in eine Zeit, in der Böden mit geringer Wasserkapazität bereits ihre Winterfeuchtigkeit abgegeben haben. Trockenstress reduziert damit beim Weizen in viel größerem Maße die Ertragsanlagen. Daher ist es auf den Trockenlagen Süddeutschlands nicht ungewöhnlich, dass der Ertrag der Wintergerste an den des Weizens heranreicht.

Innerhalb der Fruchtarten haben frühreifere Sorten wie Cubus (A) oder Buteo (B) in Trockengebieten Vorteile. Hier greifen die gleichen physiologischen Mechanismen, die auch den Vorteil der Gerste und des Roggens begründen (frühere Blüte, rechtzeitige Ertragsbildung). Zwar kostet Frühreife in feuchten Jahren Ertragspotential, aber in trockenen Jahren sind die Erträge der frühen Sorten immer besser. Dies bezieht sich nicht nur auf den Ertrag, sondern auch auf die Qualität. Die Kornausbildung ist besser und die inneren Eigenschaften daher in der Regel auch.

Schäden durch intensive Sonneneinstrahlung (Sonnenbrand) treten in der Gerste seit vier Jahren verstärkt auf. Im Unterschied zu pilzlichen Krankheitserregern handelt es sich dabei um eine unbestimmte Verbräunung ohne Vorhof, die ineinander überläuft. Zweizeilige Gerstensorten sind davon häufiger betroffen als sechszeilige Sorten. Zwar können Sie mit frühen Fungizidspritzungen in der Hauptschossphase (BBCH 31 - 32) eine vorbeugende Wirkung erzielen, aber besser ist die Wahl einer Sorte, die eine genetische Resistenz mitbringt. Über gute Resistenzen verfügen die zweizeiligen Sorten Emily und MH Firenzza. Generell erhöht ein gesunder Blattapparat die Photosyntheseleistung, auch unter Trockenstress. Daher ist der einmalige Einsatz von Strobilurinen auch dann sinnvoll, wenn die Infektionswahrscheinlichkeit durch pilzliche Erreger witterungsbedingt gering ist.

Sorten mit einer stärkeren Durchwurzelung des Bodens können unter schwierigeren Bedingungen mehr Wasser aufnehmen. Zwischen den Sorten gibt es genetische Unterschiede, die aber nicht systematisch erfasst werden. Ein gutes Beispiel sind die Hybridroggen. Diese durchwurzeln in der Regel den Boden stärker als Populationssorten, so dass sich gerade auf den leichten Standorten die Hybride wie Visello oder Palazzo empfehlen.

Die Durchwurzelung wird vor allem durch eine tiefe Lockerung des Bodens gefördert, wobei dieser anschließend gut rückverfestigt werden muss, um keine Hohlräume entstehen zu lassen. Nur im Kontakt zwischen Feinwurzeln und möglichst feinkrümeligem Boden kann sich das Feinwurzelsystem optimal entwickeln.

Hohe Standfestigkeit ist bei Trockenstress von Vorteil. Die Durchwurzelung kann durch einen zu starken Einsatz von Wachstumsregulatoren wie Cycocel (CCC) beeinträchtigt werden. Diese begrenzen das Streckungswachstum nicht nur in den Internodien, sondern auch in den Wurzeln. Wachstumsregler sollten daher früh appliziert werden, um solche Effekte zu minimieren. Bei standfesten Sorten wie Dekan (B) oder Recrut (Populationsroggen) können Sie den Einsatz von Wachstumsreglern auf ein Minimum begrenzen oder sogar ganz auf diese verzichten. Damit vermeiden Sie Risiken für die Wasseraufnahme der Pflanzen. Auch die Herbizidbehandlung mit Sulfonylharnstoffen kann die Wasseraufnahmefähigkeit der Pflanzen beeinträchtigen. Diese greifen ebenfalls in das Wachstum der Pflanze ein und können die Wirkung der Wachstumsregler verstärken. Dadurch können sich die Leitungsbahnen im Halm zu stark verengen, dass später nicht mehr ausreichend Wasser und Nährstoffe in die Ähre gelangen. Sulfonylharnstoffe sollten daher möglichst früh ausgebracht werden. Außerdem sollte bei einem gleichzeitigen Einsatz von Sulfonylharnstoffen die Aufwandmenge der Wachstumsregler verringert werden.


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