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Die Ursachen dafür konnten bislang nicht eindeutig geklärt werden. Ein Gespräch zu den möglichen Ursachen mit Dr. Hinrich Hüwing, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Bezirksstelle Uelzen.
Herr Dr. Hüwing, wie beurteilen Sie die Situation in Ihrem Einzugsgebiet? Welche Schaderreger bzw. Ursachen konnten Sie für diese Schäden feststellen und wie war deren Gewichtung?
Geschädigte Wintergetreidebestände konnten nach dem Winter in allen Getreidearten festgestellt werden. Winterroggen war jedoch mit Abstand am stärksten betroffen. Die Höhe der Schädigung führte dabei in 15 gemeldeten Fällen, im Gegensatz zu den anderen Getreidearten, zu dem Entschluss der Landwirte, die Flächen umzubrechen und neu zu bestellen.
Interessanterweise stellten sich jedoch die meisten Bestände nach der ersten Schneeperiode, die auch sehr lang anhaltend war, noch recht gut dar. Nachdem dann eine zweite Schneeperiode mit starkem Frost im Februar/März 2010 folgte, kam es vermehrt zu starken Schädigungen mit bis zu 90 % Pflanzenausfall. Insbesondere im Norden und Osten des Dienstgebietes der LWK Bezirksstelle Uelzen waren starke Auswinterungen zu verzeichnen, die auf ca. 0,8 % der Roggenanbaufläch (250 ha) zu Umbrüchen geführt haben. Weniger stark geschädigte Bestände mit einer Ausfallquote von 40-50 % wurden aufgrund der fortgeschrittenen Zeit toleriert. Eine vollständige Regeneration konnte jedoch bei diesen Beständen augenscheinlich nicht festgestellt werden. Aktuell bleibt abzuwarten, ob und wie hoch ein Ertragsausfall zu beziffern ist, da die Ernte noch nicht abgeschlossen ist.
Welche Schaderreger bzw. Ursachen konnten Sie für diese Schäden feststellen und wie war deren Gewichtung?
Die Schädigungen entstanden vornehmlich nach der zweiten Schneeperiode. Ein durchgefrorener Boden war zu dieser Zeit nicht vorhanden. Durch Schneeverwehungen kam es allerdings partiell zu weniger stark mit Schnee bedeckten Flächen (z.B. Kuppen, Vorgewende), die eine Schädigung weiter verstärkten. Ein Großteil der Flächen war hingegen schneebedeckt, weitgehend frostfrei und trotzdem stark geschädigt. Daher ist eine alleinige Schädigung durch Frost weniger wahrscheinlich allerdings auch nicht vollständig auszuschließen. Als Hauptursache sind mit größerer Wahrscheinlichkeit pilzliche Schaderreger zu nennen. Die Bedingungen waren für Schneeschimmel (Luftabschluss und moderate Temperaturen unter der Schneedecke) förderlich. Zusätzlich kam es durch den Einsatz von Herbiziden zu einer weiteren Verstärkung der Schädigung. Allerdings gab es auch Fälle, bei denen kein Herbizid im Herbst appliziert wurde und trotzdem eine so starke Schädigung vorlag, dass umgebrochen werden musste. Weiterhin waren insbesondere späte Saaten auf leichten Böden betroffen.
Wie stark konnten Sie die Schadbilder bei anderen Getreidearten beobachten?
Ausdünnungen konnten auch in Wintergerste und Winterweizen beobachtet werden. Hier gab es deutliche Sortenunterschiede. Allerdings war bei keiner anderen Getreideart die Schädigung in der Praxis so groß, dass ein Umbruch erfolgen musste. In den Landessortenversuchen zeigten sich insbesondere die Wintergerste Probleme ab. Diese verwuchsen sich allerdings sehr schnell. Auch wenn der Roggen in den Landessortenversuchen dagegen keine Probleme machte, zeigte sich in der Praxis ein anderes Bild.
Konnten Sie Unterschiede zwischen den Roggensorten feststellen?
Meldungen über Auswinterungssymptome aus der Praxis bezogen sich zum größten Teil auf die Sorte Palazzo. In Einzelfällen waren auch Visello und Guttino betroffen. Hingegen fielen alle drei Sorten in den Landessortenversuchen nicht negativ auf. Hierbei ist allerdings auch zu beachten, dass Saatzeit und Saatstärke möglichst optimal aufeinander abgestimmt werden. In der Praxis ist dies nicht immer möglich. Des Weiteren liegen die Standorte der Landessortenversuche nicht unbedingt in der Region mit den meisten Schadereignissen. Dies zeigt die Kleinräumigkeit dieser Problematik.
Welche Maßnahmen empfehlen Sie dem Landwirt für den zukünftigen Roggenanbau?
Die Witterungskonstellation 2009/2010 war nicht voraussagbar und fand sich auch in keinen vorherigen Versuchsergebnissen wieder. Aus den Erfahrungen dieses Jahres lassen sich im Wesentlichen für zwei Bereiche Empfehlungen ableiten.
Zur Risikoverteilung und -minimierung sollten in der Anbauplanung nicht nur mehrere Kulturarten, sondern auch mehrere Sorten je Kulturart vorgesehen werden. Palazzo hat in unseren letzt jährigen Versuchen sehr überzeugt und wurde daher auch forciert empfohlen. Aufgrund der Geschehnisse kann man nur dazu raten einen gewissen Anteil älterer, vertrauter Sorten im Anbau zu behalten, denen möglicherweise die letzten Relativertragspunkte fehlen.
Der zweite Bereich betrifft die Bestandesetablierung. Die Erfahrungen dieses Jahres haben wieder gezeigt, dass grundlegenden Dingen wie die optimale Saatzeit, ein gutes Saatbett sowie korrekt eingestellte Saattechnik unbedingt Beachtung geschenkt werden muss. Ebenso müssen Herbizid- und Düngemaßnahmen an Witterung, Standort und Pflanzenentwicklung angepasst sein.
Wie schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Auftretens im Getreidebau?
Die letzten Jahre haben gezeigt, wie schnell sich Witterungskonstellationen ändern können. Eine vergleichbare Witterung des jeweiligen Jahres ist schwerlich wiederzufinden und jedes Jahr hat seine eigene Sorte die Probleme macht, da die Ursachenkombination für eine Auswinterung immer anders ist. Eine Wiederholung der Witterung des letzten Herbstes und Frühjahr mit genau denselben Auswirkungen halte ich persönlich für unwahrscheinlich. Die Frage, die leider keiner beantworten kann, ist allerdings, was stattdessen auf uns zukommt.
Neue Sorten bergen immer ein größeres Risiko, da sie natürlich nicht unter allen erdenklichen Anbaubedingungen getestet sind, sie bieten jedoch auch die Chance, den eigenen Anbau weiter zu verbessern. Die Erfahrungen dieses Jahres sollten daher im Gesamtkonzept des Anbaus mit Augenmaß Berücksichtigung finden.
Alle Darstellungen erfolgen nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr. Die dargestellten Daten und Grafiken geben Erkenntnisse wieder, die im Rahmen von Landessortenversuchen, Wertprüfungsversuchen und Eigenversuchen gewonnen wurden. Trotz größter Sorgfalt können wir aus diesem Grunde insbesondere nicht garantieren, dass diese Ergebnisse unter allen Bedingungen wiederholbar sind; sie können daher nur Entscheidungshilfen für Sie darstellen.
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